Deine Lakaien

Pop? oder Wahnsinn?
"Mein Herz will dich fragen: Was ist denn Liebe? Sag! - "Zwei Seelen und ein Gedanke, zwei Herzen und ein Schlag!" Und sprich: Woher kommt Liebe? - "Sie kommt und sie ist da!" Und sprich:Wie schwindet Liebe? - "Die war's nicht, der's geschah!" (Parthenia in Fr.Halm, Sohn der Wildnis, 2.Akt 9

"Dark Star" eine Platte über die Liebe, welch seltenes Ereignis in einer Szene, in der es doch mehr oder weniger immer in irgendeiner Form um bzw. über den Tod geht.
Ernst: "Wenn ich lange Zeit im Keller war und gesampelt habe, experimentell gesampelt habe, so wie zur Zeit oder wie damals vor der Idee zu "Dark Star", dann verspüre ich das Bedürfnis auch einmal ein schönes elegisches Lied zu spielen".
Eine Welt zwischen Klassik und Pop, eine Welt zwischen Drama und Mythos, zwischen Shakespeare und einem Raumschiffkommandanten, auf der Jagd nach einem personifizierten Kometen, dem Dark Star; simples, kompliziertes, gar experimentelles, das ist jene Sphäre, die man betritt, beschäftigt man sich mit der deutschen Elektronikband "Deine Lakaien".
Deine Lakaien, das sind der Münchener Keyboarder Ernst Horn, der sich um die Musik kümmert und der Berlin-Mazedonier Alexander Veljanow, Sänger und Texter. Doch darf man das nicht ganz so strikt trennen.
Ernst: "Alexander steuert nicht nur Ideen und Texte bei, er komponiert auch einige Lieder selber. Musikalisch ist Alexander sehr beweglich, er ist auch Sänger der Berliner Gitarrenband "Run Run Vanguard".
Der Kopf der Band ist jedoch Ernst Horn, der auch Solo nicht zu unterschätzen ist. Im Juni erscheint ein Projekt, was sich "Skies Over Baghdad" nennt und experimentelle Samples zum Thema Golfkrieg beinhaltet. Er studierte Klassik, wurde Dirigent und trägt den Titel Diplom-Kapellmeister, was ihm das nötige Geld verschaffte, sich ein eigenes kleines Studio einzurichten. Schon während des Kaufs des Instrumentariums, noch ohne konkrete Idee im Kopf, schaute er sich nach einem Sänger um und lerne so Alexander kennen.
Die Idee -
Ernst: "Ich fand schon immer Gefallen an der Pop- und Rockmusik, und wollte sie auch immer selber machen. Welcher Art, das wußte ich Anfangs nicht so genau. Ich fühlte mich von Ultravox und Devo genauso angetan, wie von My Bloody Valentine. Als die Instrumente billiger wurden und der New Wave begann, da war es dann einfach etwas auszuprobieren. Diese Phase in der Musik ließ einfach Verschiedenes zu,..."
PN: "New Wave, Dark Wave, etc. geht es nicht ohne so abgedroschene Begriffe?"
Ernst: "...schwer. Es ist halt so das die Menschen für jede Phase einen Begriff benötigen, halt Schubladen in die sie kategorisch alles einordnen können. Im Prinzip ist vieles schon in den 60zigern gegessen worden, auch was das Styling anlangt. Art und Form, alles das hat es irgendwie schon einmal gegeben, es ist von daher im Prinzip halt egal."
86 gab es das erste Werk der Lakaien, in eigener Regie erstellt. Bei den Kritikern stieß die Platte auf Anerkennung, aber ansonsten war es kein nennenswerter Erfolg. Vom Inhalt bot die Platte, die Story eines Menschen, der vom Land in die Stadt kommt und dabei scheitert. Hieran kann man schon erkennen, daß die Lakaien es lieben Konzeptplatten abzuliefern. Bei der zweiten Scheibe ging es dann eine gehörige Portion düsterer zu. Man stand im Dunkeln, im wahrsten Sinne des Wortes. Requiem, zynische Texte, negierende Gruftthemen, Tod und Religionen, experimentelle Klänge...
Ernst: "Die Leute hörten fast nur den Anfang. Die Platte begann mit einem Requiem und schon schrieen sie Gruftmusik. Sie kamen gar nicht weiter, um die negierenden Effekte mitzubekommen. Der Alex und ich, wir fühlten uns nach der Platte nicht so toll, die Leute lehnten es halt ab".
Das Album erschien nicht weiter und Ernst und Alex hatten einen ziemlich faden Nachgeschmack.
Ernst:"Wir bekamen dann irgendwie Kontakt mit Gymnastik Records und machten halt "Dark Star". Eine Platte über Liebe, halt ein Liederzirkel."
PN:"Liebe? "Dark Star"? Wie paßt das zusammen?"
Ernst:"Dark Star" - ein Titel. Der Inhalt dazu basiert auf mehrern Ideen, bewegt sich über verschiedene Ebenen. Wir haben versucht, die Liebe in ihren unterschiedlichsten Arten zu zeigen, von ganz einfacher Liebe bis hin zu völlig zerissener selbstzerstörerischer Liebe. Es begann alles bei einem Theaterabend, bei dem es Shakespeare Rezitate gab, setzte sich fort über den Roman von Turgenjew "Vater und Söhne", in dem es um diese zerissene Liebe geht, in der ein Mann sein ganzes Leben einer Frau nachgeht, und endet halt bei einem Science Fiction Hörspiel. In diesem Hörspiel wird das Raumschiff eines berüchtigten Kommandanten von einem Kometen gerammt. Der Kommander verliert bei diesem Zusammenprall sein Augenlicht, mittels eines Sehgerätes verfolgt er verbittert sein ganzes Leben lang diesen dunklen Stern. Es ist eben in jedem Fall Liebe. Es ist aber nur der Inhalt des Titelstücks. Der Rest ist nicht so tief angelegt. Bei manchen Liedern geht es halt auch um ganz simple alltägliche Dinge in der Liebe. "
Deine Lakaien und ihr "Dark Star". Musik zwischen Pop und Genie, perfektioniert vom Konzept, Musik vom Reißbrett. Wenn der Kapellmeister seine Ideen auslebt, dann hat das eben Hand und Fuß. Die Vielseitigkeit von Ernst Horn ist unergründlich, ein Mann der die Klassik liebt, der seine Musik an ihr konzeptioniert, der diplomierter Vollblutmusiker ist, hat halt die Elektronik für sich entdeckt. Sein Partner, Alexander Veljanov, der sich die meiste Zeit in Berlin aufhält, verfügt aber scheinbar auch über ein breites musikalisches Spektrum. Gitarrenmusik und Elektronik, halt zwei Paar verschiedene Schuhe, aber sie scheinen doch zu passen.
Im Juni gibt es eine weitere Kostprobe der Lakaien, es erscheint eine EP mit neuem Material und im September gibt es dann noch einmal die erste LP der Lakaien und sie versuchen auf Tour zu gehen.
Ernst:"Es wird nicht einfach werden live, denn wir haben keine Lust auf simple Tastendrückerei. Wir wollen die Musik so rüberbringen, daß sie zu keiner Zeit künstlich klingt."
Wir sind gespannt!...Dark Star you are the light of my night, Dark Star won't you be my guide, ...!

Kussi